über die sache mit den mundwinkeln… depression als burn-out-folge

moin ihr lieben,

das mit den mundwinkeln ist ja so ne sache.

ich hätte mich immer als sonnenscheinchen beschrieben, manchmal heiter bis wolkig, aber überwiegend positiv und heiter in die welt blickend. daher traf mich die diagnose depression als burn-out-folge ziemlich unvermittelt und die bildsprache “wie aus heiterem himmel” passt hier wohl ganz besonders gut. so eine depression fühlt sich an wie eine gewitterwolke, die – wie an einer schnur befestigt, immer mitläuft und über deinem kopf nicht verschwinden will. das ist zumindest mein bild davon. ich hab das mal gemalt, ihr seht es auf dem bild oben.

nun, im moment hörst du ja aus allen ecken sehr unterschiedliches über depressionen… depressiven wird ohne konkrete beweise ein hang zum erweiterten suizid nachgesagt, depressiven soll einem bayerischen politiker zufolge direkt ein berufsverbot ausgesprochen werden…. und so fort.

meine überlegung ist nun, wo ich nach mehr als einem jahr krankschreibung und diversen behandlungsschritten wirklich auf einem weg der besserung bin (und mich so stark fühle, auch reaktionen aushalten zu können), mit dieser diagnose offensiv umzugehen. um diese krankheit aus der “die hat was mit den nerven”- “die ist immer komisch drauf”, “die ist nicht mehr belastbar”- schmuddel-ecke zu holen, will ich euch meine sicht auf diese perfide und fiese krankheit schildern. lediglich als exemplarischen einzelfall, ohne anpruch auf verallgemeinerung – aber in dem vollen gefühl, nicht “einen an der waffel zu haben”, sondern genau diesem stigma, was mit dieser krankheit einhergeht, entschlossen entgegenzutreten.  wie findet ihr das?

in der tat bemerkte ich seit einiger zeit, dass ich mit sarkasmus auf die immer happy dargestellten welten reagiere, die uns in der social-media-welt begegnen….

… ich konnte mir ne weile nicht viel mehr abringen als: oh, schon wieder eine schwarz-weiß-eingerichtete wohnung, oh, ein weiteres pestorezept…. – nicht falsch verstehen, diese welten haben selbstverständlich alle ihre daseinsberechtigung, jedoch kam in mir so gar keine freude mehr auf, und ich hörte beinahe vollständig auf, lifestyleblogs zu lesen … obwohl ich doch selbst meinen eigenen hamburger-lifestyle-blog füttern wollte. nun ist das aufhören, blogs zu lesen, eine der am wenigsten relevanten auswirklungen einer veränderten sicht auf das leben durch depression. du wirst an vielem mehr gehindert, durch diese fehlschaltung der botenstoffe im gehirn. eben sogar daran, deine ureigensten interessen und bedürfnisse ernstzunehmen. es gab tage, an denen ich es weder schaffte aufzustehen, noch mich mit essen zu versorgen. stattdessen – NICHTS! innere leere. wo ich vorher mehr als 20 jahre vollzeit berufstätig war, viel verantwortung trug, als regionalleiterin/ geschäftsführerin rund um die uhr gefordert war, verantwortung zu tragen, prozesse abzusichern, die finanzen für einrichtungen am laufen zu halten, aktiv in der sozialpolitik mitzumischen…  da fiel es mir jetzt schwer ein butterbrot zu schmieren. verrückt oder? und ja, das ist es auch. für mich, die mitten im leben plötzlich lahmgelegt war, war es einfach monatelang unvorstellbar…

depression lähmt. sie lähmt meine kreativen denkprozesse, sie raubt weit mehr energien, als ich es vom “nur mal phasenweise erschöpft sein” kenne. meine begeisterungsfähigkeit schlummerte einen dunkelumwölkten depressionsschlaf. der sarkasmus und galgenhumor übernahmen die regie. ich wäre streckenweise wohl eine supergute satierikerin geworden.

alles kam mir inhaltsleer und bedeutungslos vor, und ich habe einen weg kolossaler veränderung eingeschlagen, um mich wieder als steuerfrau auf meinem boot des lebens zu fühlen.

depression als burnoutfolge-1-web

wie es dazu kam? nun, ich bin niemand, die sagt, stress muss eine*n krank machen. es kommt darauf an, wie du damit umgehst… ganz klar… jedoch gibt es meiner ansicht nach tatsächlich lebensumstände und prägungen im leben, die diese krankheit begünstigen. teile dessen, wie es bei mir dazu kam, in einen stresstrudel zu geraten, habe ich gerade der stressexpertin ursula schiller verraten, die ich bei twitter traf. sie befragte mich in ihrem stressfragebogen. meine antworten und meine 6 tipps zur stressreduktion könnt ihr bei ihr nachlesen.

dieser blogpost soll mehr sein, als pure nabelschau… ich möchte tatsächlich dazu anregen, menschen, in diesen lebenssitationen, in denen alles eher nebelig als sonnig ist, zu unterstützen. depression macht angst. den betroffenen und deren umfeld. aber durch das stigma wird es ja nun auch nicht besser… also zeige ich mich. ich tauche einen moment weg aus der happy-happy-welt und widme mich diesem einen aspekt meines lebens. vielleicht ist es ja für jemand anderes relevant. dann freue ich mich.

und die formulierung – “diesem einen aspekt meines lebens” – ist dabei schon eine der erkenntnisse, die -hier wie beiläufig genannt-, jedoch hart erkämpft sind. die depression macht den menschen nicht aus. sie ist ein teil einer erkrankung, wie ein lahmes bein oder weitsichtigkeit. sie ist nicht sichtbar (außer vielleicht an den mundwinkeln ;) )

wollt ihr wissen, was genau ich alles angestellt habe, um gesünder zu werden? um der fiesen depression nicht die oberhand zu lassen?

** *kleiner break*** wie witzig… gerade in diesem moment bekomme eine mail folgenden inhalts:

Liebe Anja,

Ich recherchiere gerade für das Frauenmagazin XY und bin auf deinem wunderbaren Blog hängengeblieben…:)
Ich suche für ein Dossier zum Thema „Ich mag mich so wie ich bin“ Frauen aus dem Hamburger Raum, die das von sich behaupten können. Als ich deine Einträge gelesen habe, dachte ich mir: Du bist so eine, denn du schreibst so positiv über das Leben.
ach, ich freue mich! schön, dass das in all der zeit rübergekommen ist, denn das schreiben auf dem blog habe ich häufig als gegengewicht zu meinem befinden gesehen… und mich sehr bemüht, mir hier einen heilen ort zu schaffen, an dem es um die schönen aspekt meines lebens geht.

mein weg aus der depression

…begann also mit akzeptanz. und zwar auf mehreren ebenen.

erste ebene der akzeptanz: zunächst musste die einsicht her, dass ich nicht mehr wie gewohnt funktioniere. das hört sich einfacher an, als es ist. denn die selbstbewertenden einstellungen schreien quasi immer dazwischen. innere stimmen die sagen, dass ich faul bin, den allerwertesten nicht hochkriege, alle anderen doch grad ihr leben sooo gut meistern…. und ja, an dieser stelle waren die sozialen medien mit ihrem immerwährenden trugschluss und den bildern der schokoladenseiten des lebens grad nicht zuträglich für meine selbstwahrnehmung als handlungsunfähiges häufchen elend.

zweite ebene der akzeptanz: als ich halbwegs mit mir im reinen darüber war, dass ich nicht ausschließlich faul herumhocke sondern meine botenstoffe im hirn grad ihre eigene show abziehen und einfach mal anderes mit dem notwendigen serotonin anstellten… da hatte ich zu akzeptieren, dass dieser zustand einen namen hat. dass er eine erkrankung ist. dass ich eine depression habe. fiese sache, das sage ich euch….  wer ordnet sich schon gern dieser gruppe von menschen zu, die (in der schlimmsten zuschreibung!) wie trauerklöße überall die stimmung runterziehen, um den mund herum aussehen wie die kanzlerin an ihren schlechtesten tagen und mit denen keine*r gern zu tun hat…?

dritte ebene der akzeptanz: die selbstreflektion, die ich mit hilfe einer spezialisierten und wahnsinnig guten verhaltenstherapeutin begann, brachte zu tage, dass viele meiner verhaltensweisen diese erkrankung beeinflussen… negativ wie positiv… und dass meine leistungsmuster, mein ehrgeiz, meine selbstdefinition über den erfolg in einem wirklich schwierigen job, zur verschlechterung meines burn-outs in richtung depression beigetragen haben… also: akzeptanz der eigenen verhaltensmuster, feststellen von veränderungsnotwendigkeiten. tja, ihr lieben…. und dann ändert mal, was ihr 42 jahre lang auf eine spezielle art getan habt… ich finde, das ist eine nicht zu unterschätzende leistung.

vierte ebene der akzeptanz: es werden neue entschlüsse her müssen, die einen gesünderen lebensstil/ eine passendere work-life-balance zur folge haben. sprich: RAUS AUS DER KOMFORTZONE. üben, üben, üben…. verzweifeln. weiterüben. erste kleine erfolge feiern mit neuen verhaltensweisen… freude teilen.

ihr merkt, ab hier wird es leichter… in der tat war dieser punkt nach etwa 8 monaten der krankschreibung erreicht und es stand eine medizinische reha an, um weitere positive impulse zu setzen.

es folgt:

phase 5 der akzeptanz: es wird nicht so bleiben können, wie es ist. ich funktioniere jetzt anders… also werde ich auch anderes tun müssen. ich beschloss, meinen beruf aufzugeben… . das schreibe ich jetzt einfach so hier hin. in echt war das ein riesenkampf. ich hatte das gefühl, nichts anderes zu können, als einrichtungen zu leiten, einen partizipativen führungsstil anzuwenden und sozialpädagogisch zu denken. also setzte ich mich mit meinen talenten auseinander… und stieß auf einiges mehr, als ich erwartet hatte.. das taube gefühl in mir wurde währenddessen immer kleiner.

… und jetzt, nachdem der entschluss gefasst ist, die entsprechenden gespräche dazu gelaufen sind, ich meine kündigung noch in dieser woche absenden werde um im august mit einer umlernphase zu beginnen…. da fehlt trotzdem noch eine phase…

die 6. phase der akzeptanz bedeutet für mich, anzuerkennen, dass diese erkrankung eine chronische ist. dass sie mir dauerhaft einen bewussteren lebensstil abverlangen wird, dass es immer wieder lebensabschnitte geben wird, die sich tonnenschwer anfühlen und in denen meine gedanken auf ihrer alten, gewohnten und nicht hilfreichen gedankenautobahn unterwegs sein wollen, statt meine neu erarbeiteten und hilfreichen gedanklichen trampelpfade zu benutzen, mit deren hilfe ich mich mit so viel mühe aus dem tal der tränen ans licht gekämpft habe.

depression als burnoutfolge_web

ihr lieben… ich will es für heute damit bewenden lassen.

vielleicht habt ihr noch fragen? dann immer her damit in den kommentaren. ihr könnt auch anonym kommentieren und fragen.  (ich behalte mir an dieser stelle ausdrücklich vor, beleidigende kommentare oder trollkommentare nicht freizuschalten.) ich versuche, fragen zeitnah zu beantworten… und lasse euch für heute noch eine liste mit links da, die ich für mich superhilfreich fand, ok?

hilfreiche links:

… und die ganze zeit, beim schreiben dieses textes war ich eine spur nervös und aufgeregt… irgendwie kommt so ein artikel über die eigenen erfahrungen im umgang mit einer erkrankung einem outing gleich… und dennoch…. – NEIN! und gerade deshalb drücke ich jetzt auf veröffentlichen!

ich freu mich über reaktionen. ich wünsch mir sogar welche. ja?

40 Antworten

  1. 19
    Maja says:

    Hallo Anja, sehr interessiert habe ich deinen Post gelesen.
    Ich hoffe, dass es dir soweit gut geht .
    Ich habe keine Depression, bin aber momentan an einem Tiefpunkt, mit 39 Jahren. Ich wurde unfair und unschön aus meinem Berufsleben gerissen, von jetzt auf gleich gekündigt. Ich fühle mich gedemütigt und komme damit nicht klar. Ich habe meinen Beruf geliebt und hing an der Firma, da mein Vater sie gegründet hat. Ich mußte gehen. Ohne eine 2. Chance. Jetzt stehe ich da mit einem Gefühl des wahnsinnigwerdens….das war’s jetzt….oder was? Ich bekomme keine Rückmeldung auf meine wirklich tolle Bewerbungen. Ich kann so viel. Bin Neuem offen und möchte doch noch so viele kreative Dinge verwirklichen. Mich braucht also keiner. Ich habe versagt, ich habe nicht meinen Wunschberuf gelernt, ich kann nicht mit Steuersachen umgehen….mir gehen nur Dinge im Kopf herum, was ich NICHT kann. ( Oder ist das etwa “Depression”? ) Dieser Zustand lähmt mich, ich bin völlig ausgebremst. Unbewußt trägt bestimmt auch ein wenig die Bloggerwelt dazu bei. Alle haben tolle Berufe, tolle Wohnungen, Designermöbel. Das k* mich momentan ganz schön an. Aber alle finden es toll und loben die Bloggerinnen in den höchsten Tönen. Nun, egal. Es zieht mich nur momentan wie ein Strudel nach unten. Dazu kommt noch, dass unser Elternhaus jetzt gerade verkauft wurde. Da habe ich sehr sehr dran gehangen. Zwei große Verluste. Ich wünsch dir für deine Zukunft alles Gute, herzliche Grüße Maja

    • 19.1
      anja says:

      liebe maja,
      ich musste eine kleine weile über deine worte nachdenken und würde dir gern raten, dir hilfe zu suchen… das hört sich nach einer wirklich schwierigen lebensphase an und da verliert sicher jeder*r mal den glauben an sich… ob das eine depression ist, kann letztendlich nur ein guter arzt mit dir besprechen. ich wünsche dir, dass du den positiven blick auf des leben wiederfinden kannst und alles liebe! anja

  2. 18
    Frauke says:

    Liebe Anja!
    Vielen Dank für deinen tollen persönlichen Text! Es klingt so authentisch und für mich so vertraut. Mir ging es an vielen Punkten ähnlich bis gleich.
    Auf meinem Blog habe ich auch darüber geschrieben. Vielleicht magst du mal vorbei schauen? http://fraeuleinswunderbarewelt.blogspot.de/p/depression.html
    Die Depression ist eine fiese Krankheit, die so viel Macht über einen erlangen kann. Und doch habe ich auch gemerkt, dass sie mein Leben trotzdem auch in eine positve Richtung gelenkt hat. Klar, vieles war überflüssig und eine Menge hätte ich mir die letzten zwei Jahren an Erfahrungen schenken können. Und doch, ohne die Krankheit hätte ich zum Beispiel nie angefangen zu bloggen. Hätte eine Menge Menschen durch das Bloggen nicht kennengelernt. Und wer weiß, ob ich überhaupt auf die Idee gekommen wäre, mir einen zauberhaften Hund zu zu legen?
    Vor dir und vor mir liegen noch einige steinige Wege. Aber es freut mich sehr, dass du schon so viel geschafft hast!
    ich wünsch dir ganz viel Kraft und Energie für alles was da vor dir liegt!
    LIebe Grüße,
    Frauke

  3. 17
    Claudia says:

    Liebe Anja,
    auch ich habe meine Erfahrung mit massiven Depressionen und in vielem was Du schreibst, erkenne ich Teile meiner eigenen Geschichte wieder. Die akute(ste) Phase liegt bei mir jedoch bereits fast 10 Jahre zurück und inzwischen sehe ich diese Erkrankung – so seltsam es sich vielleicht anhört – als positiv für mich an. Sie ist für mich mittlerweile wie ein alter Freund – den man gut kennen muss, um seinen mahnenden Finger und seine Ehrlichkeit anzuerkennen und dessen Abwesenheit, nicht Vergessen sondern vor allem “sich-seiner-selbst-bewusst-sein” bedeutet.

    Ganz liebe Grüße und alles Gute für Dich nach Hamburg
    Claudia

  4. 16
    pinella says:

    “und der morgen hielt eine idee für dich bereit,
    wie die zukunft dich
    und alles um dich heilt…”

    liebe grüße von thees und mir! ;)

  5. 15

    Liebe Anja,

    wie mutig und stark Du bist, bei all dem was die Krankheit mit sich bringt und es für diesen Post gebraucht hat. Großartig, Deine Worte!

    Kraft, Zuversicht und Mut, jeden Stunde, jeden Tag auf’s Neue!
    Liebe Grüße . Minza

    • 15.1
      anja says:

      lieben minza, ich freu mich über deine worte. genau das, was du mir wünscht werde ich wohl auch tatsächlich dauerhaft brauchen… so wie jede*r betroffene.
      ich grüß dich zurück, anja

  6. 14
    Frau P says:

    Ich danke dir! Ich danke dir so so so sehr von ganzem Herzen!!!
    Auf meinem Blog habe ich mich auch vor einiger Zeit getraut, dieses “Tabuthema” anzusprechen, da ich finde, dass diese schlimme Krankheit viel zu verpönt ist. Ich leide mal mehr mal weniger, aber immer mit dem blöden Gefühl “du bist nicht normal, irgendwas ist bei dir falsch”… Wie du richtig sagst, hilft die happywelt auf Bildern usw nicht weiter, mich setzt sie manchmal noch mehr unter Druck…
    Aber ich freue mich riesig über jeden, nein nicht über jeden dem es auch so scheiße geht, sondern über jeden, der sich traut darüber zu sprechen. Und damit vielleicht anderen hilft.
    Danke!!!
    LG von Frau P

    • 14.1
      anja says:

      das mit dem druck durch die bilder der anderen kenne ich sooo gut. ich hab dann beschlossen, der scheinwelt nicht mehr auf den leim zu gehen… und mein ding zu machen. gelingt manchmal… danke dir für die nette rückmeldung. anja

  7. 13

    Liebe Anja,

    ich habe es dir ja am Dienstag bereits bei unserem netten Abend persönlich gesagt…. ich finde es großartig, dass du Deine Geschichte mit der Öffentlichkeit teilst. Wer, wenn nicht die Betroffenen selbst, sollte dieses meist heimliche und dabei doch allgegenwärtige Thema ins rechte Licht rücken!?

    Vor allem aber freue ich mich sehr, dass es Dir besser geht!

    Dann man tau für alles, was da kommt!
    Nic

    • 13.1
      anja says:

      liebe nic, danke für deine worte und … was ich ja dienstag schon andeutete: du bist meine hauptinspirationsquelle. seit vielen jahren. du machst mein leben ein bisschen bunter. danke auch dafür.

  8. 12

    Ich habe zwar keine Depression, aber trotzdem kann ich einiges hier nachfühlen. Ich finde es ungemein wichtig, über Krankheiten zu reden, nur so kann man ein Bewusstsein dafür schaffen. Wenn sich keiner traut, dann ändert sich auch nichts…
    Aber was diese positiven Blogposts auf Lifestyleblogs angeht: Ich finde sie wichtig. Natürlich nicht alle und in jeder Form, aber auch die können helfen. Bei mir zum Beispiel ist die meiste Zeit auch eher nur “Schönes” zu sehen. Aber das ist einerseits wichtig für mich, andererseits bekomme ich immer wieder die Rückmeldung von anderen MS-Patienten, die sich freuen, einen Betroffenen gefunden zu haben, der nicht alles schwarzmalt, sondern ein “normales” Leben führt. Weil ihnen das Hoffnung gibt. Aber grundsätzlich weiß ich natürlich was du meinst: Auch ich habe Tage an denen ich denke: “Echt jetzt? Kommt hier auch noch was gehaltvolles?” – Aber das geht vorbei. Alles hat seine Berechtigung finde ich. Und ich freue mich, hier weiterhin bei dir mitzulesen. Egal worum es geht :)!

  9. 11
    Melanie says:

    Liebe Anja,
    ich habe eine Gänsehaut. So viel Mut! Und doch glaube ich, dass es für uns Betroffenen wichtig ist, sich zu outen. Damit unser Gegenüber versteht, warum wir so sind, wie wir sind. Mir fehlt bisher der Mut, es schriftlich zu tun. Im persönlichen Gespräch geht’s immer besser. Vielleicht ist dein Text ein Schubs an andere, ebenfalls darüber zu schreiben. Ich wünsch’ mir das. Für dich, für mich und für alle anderen.
    Fühl’ dich geherzt. Melanie

    • 11.1
      anja says:

      liebe melanie,
      ich hatte schon ne ganze weile die idee, darüber zu schreiben, aber der fehlende mut und die scham waren im weg. ich bin froh, so lange gewartet zu haben… jetzt fühlt es sich grad richtig an.
      grüße! anja

  10. 10
    bianca says:

    liebe anja,

    danke für diesen wunderbaren text – für deinen mut, dazu zu stehen und den mut, die dinge anzugehen und das leben neu zu ordnen. ich habe in letzter zeit festgestellt, wie sehr es hilft, offen darüber zu reden, offen dazu zu stehen, dass man eben nicht immer das sonnenscheinchen ist, dass es eben tage gibt, an denen man nichts bewegt und am liebsten nicht mal sich selber bewegt.
    ich drück dir für alles was kommt ganz doll die daumen!!!!

    liebe grüße
    bianca

  11. 9
    Inga says:

    Liebe Anja,
    uh, mir geht so viel durch den Kopf nach dem Lesen deines Artikels!

    – Wie toll und gut, dass du ihn geschrieben hast! Bestimmt ist es nicht einfach – überhaupt, so persönliche Dinge zu veröffentlichen, aber bei diesem Thema sowieso.

    – Ich fragte mich beim Lesen (sowohl des Artikels als auch der Kommentare), ob das in unserem “Alter” einfach so ist: Nachdenken über das eigene Leben setzt ein. Reflektieren über das, was bisher war, dass man Dinge vielleicht auch nicht mehr so leicht nimmt irgendwann. Ich hatte oder habe keine Depression, aber in meinem (Berufs-)Leben durchaus eine Phase gehabt, wo ich (wäre es so weiter gegangen) dort gelandet wäre. Die Folge daraus war, jetzt etwas anderes zu machen und selbstständig und selbststbestimmt zu arbeiten. Und: Ich kenne inwzischen einige, die die Diagnose Depression haben/hatten und einen Burnout hatten.

    – Zuletzt: Was wünscht du dir? Was können wir als nicht-Angehörige machen, um Menschen mit Depressionen zu helfen, beizustehen, wenn gerade der schwarze Hund zu Besuch ist? Ich frage das aus Neugier und Unwissen…

    – Und ja: Social Media sind oft “heiteitei” – mich nervt das auch. Ich schätze Blogs, die authentisch-ehrlich sind, in dem auch Brüche, Probleme, Unordnung vorkommen auch mehr als nur inszenierte Bilder… Selbst bei meinem SoMe-Blog kriege ich auf Themen mit persönlicher Anbindung viel mehr Resonanz.

    Sei virtuell gedrückt! Und noch mal danke für deinen Mut und deine Offenheit!
    Inga

    • 9.1
      anja says:

      liebe inga, danke für deine ausführlichen gedanken. also, wenn du mich fragst, ist es zwar einerseits so, dass wir in unserem alter reflektieren und umsteuern, allerdings ist das mit den auswirkungen dieser erkrankung nicht gleichzusetzen. es ist leider viel schlimmer, als sich nur mal eine phase lang zu reflektieren. der leidensdruck in der phase der völligen gelähmtheit ist immens, die kraftanstrengung, dagegen anzugehen ist unheimlich riesig. die erschöpfung eine andere, viel intensivere. ich empfehle daher, diese krankheit nicht mit “einer phase, in der jemand schlecht drauf ist” gleichzusetzen… denn schlecht drauf ist ja wirklich jeder mal… und das wird dem besonderen leidensdruck nicht gerecht.
      im umgang anderer mit mir war besonders wohltuend, wenn meine nahen menschen (mehr als ich) auf dem schirm hatten, dass das grad eine erkrankung ist. wenn sie nicht versucht haben, mich künstlich aufzuheitern, aber beispielsweise ihr genervtsein auch nicht versteckt haben.vor allem… nicht mitleiden. nicht “auch zu hause bleiben” und somit die soziale isolation auf 2 personen ausweiten…
      liebe grüße,
      anja

  12. 8

    Ahoi !
    Das erklärt natürlich so einiges.
    Nachdem ich dies hier lese, wurde mir auch endlich klar, warum ich nach unserem einmaligen treffen so erschrocken war. Natürlich konnte ich nicht wissen, das es dir nicht gut geht. Das was du schreibt macht dich sehr sympathisch !
    Es tut mir wirklich Leid und hoffe das es dir bald besser geht !!
    Herzliche Grüße,
    Frau Hamburg

  13. 7
    Mimi says:

    Liebe Anja,

    wow! Was Du geschafft hast und immer noch schaffst, können die meisten vermutlich gar nicht richtig nachempfinden. Ich wünsche Dir weiterhin alles Liebe, vor allem “für den Verlauf”, denn der hat es manchmal wirklich in sich (erlebe ich immer wieder bei meinem Mann, glücklicherweise mit abnehmender Frequenz). Deshalb (sozusagen für schlechte Tage) ist es auch so gut, wenn man mal in irgendeiner sichtbaren Form festgehalten hat, was man alles kann und schon erreicht hat.
    Großen Respekt habe ich auch vor Deinem Mut und Deiner Offenheit und Ehrlichkeit, auf Deinem Blog von dieser Phase zu berichten. Ich bin der Ansicht, dass auch das zum Lifestyle gehört – auch wenn dies eine andere Begrifflichkeit von Lifestyle voraussetzt ;)

    Alles, alles Liebe und viel Zufriedenheit und die nötige Ruhe bei dem beruflichen Umschwung! Du schaffst das! :-)
    Mimi

  14. 6
    Kirsten says:

    Liebste Anja!
    Ganz genauso ist es mir auch passiert und während ich Deinen Post lese, denke ich immer, JA, das kenne ich nur zu gut!
    Ich hatte das Glück, das ich geniale Hilfe an meiner Seite hatte und inzwischen ich mir immer öfter selbst helfen kann. Antidepressiva bleiben trotzdem und das ist auch gut so.
    Das Schlimmste war für mich mein Umfeld, die mich nicht als krank sahen…mir fehlte ja kein Arm:-(( Und ich irgendwann keine Lust und Kraft mehr zum Erklären hatte.
    Ich kann dir, wenn es dir auch so geht, nur raten…Scheiß drauf, es geht um Dich!!!
    Alle Kraft der Welt wünsche ich Dir!
    Ahoi,
    Kirsten

    • 6.1
      anja says:

      hilfe und ein stabiles umfeld sind sooo wichtig, nicht? da hatte ich durchweg glück. bei allen stellen, mit denen ich geredet habe. puh! herzlich, anja

  15. 5
    Sandy says:

    Liebe Anja,
    ich kann das nur begrüßen, dass du offen über deine Erkrankung sprichst. und ja, genau, eine Krankheit ist eben “NUR” ein Teil der Person und oft auch nur für einen begrenzte Zeit. Ich weiß sowohl aus meinem Tagesjob als Psychologin in der Beratung von Unternehmen als auch sehr, sehr schmerzlich aus eigener Erfahrung, wie es ist, auf seine Krankheit reduziert zu werden, wie es Mitmenschen schwer fällt, mit einem in Kontakt zu treten. Oft aus Unwissenheit, manchmal aus Angst, sich mit sich selbst konfrontiert zu sehen und aus vielen persönlichen Gründen. Mich hat das zum Bloggen gebracht in 2010 und ich merke, wie sich mittlerweile Bloggen und Psychologen-Arbeit miteinander zu einem stimmigen Ganzen verbinden, sich gegenseitig befruchten und das sogar von der Außenwelt so wahr genommen wird. Ich bin sehr neugierig, welche Pfade du so gehen wirst und mag das gern weiter verfolgen. Vielleicht sehen wir uns ja mal auf einen Kaffee zwischen Eimsbush und Ottensen.
    Fühl dich gedrückt, Sandy

    • 5.1
      anja says:

      ach, das hoffe ich für mich auch, liebe sandy…. ich glaube, dass sich meine beruflichen erfahrungen, die bewältigte und in schach gehaltene erkrankung und meine erkenntnisse super auch für meinen weiteren lebensweg brauchen lassen. gerne mal auf ein käffchen, würd mich freuen. sei gegrüßt, anja

  16. 4
    Little B. says:

    Liebe Anja,
    vielen Dank für Deine post und Deine so offenen Worte!
    Als bislang nur sekundär Betroffene, weiß ich, wie schwer insbesondere Phase 1 und 2 sind. Und wie viel daran zerbricht (zerbechen kann), wenn man diese Phasen nicht erreicht.
    Ich freue mich, dass Du in so kurzer Zeit (wenn man bedenkt, wieviel Zeit manchmal allein bis zur Diagnose Depression ins Land geht) so viel für Dich erreicht hast. Und drücke Dir fest die Daumen, dass es so weitergeht. Dass Dein neuer Weg sich weiter gut beschreiten lässt, dass Dich der Zauber des Neuen inspiriert.
    Liebe Grüße
    B.

    • 4.1
      anja says:

      au ja! auf den zauber des neuen habe ich auch jetzt viel appetit! … was las ich neulich? auf dem boden der tatsachen liegt eindeutig zu wenig glitzer…. :)
      danke für deine lieben worte, b. ! a.

  17. 3
    Tatjana says:

    Liebe Anja,
    danke für deinen tollen Text. Ich freue mich sehr darüber, dass du dich zeigst und über deine Erfahrungen mit Depressionen schreibst. Es ist so sehr verbreitet und dennoch nach wie vor tabuisiert. Noch mehr freue ich mich jedoch über den Satz “…auf einem weg der besserung bin (und mich so stark fühle, auch reaktionen aushalten zu können), mit dieser diagnose offensiv umzugehen….” Wie schön!!!
    Und danke für dein Kommentar zur Happy Clappy Welt, es ist manchmal kaum auszuhalten ;o)
    Alles Liebe und ich werde mit viel Neugier deine Beiträge lesen.

    Lieben Gruß
    Tatjana

  18. 2
    Tiffy says:

    Ach mensch, liebe Anja
    Vielen lieben Dank für diesen tollen Post! Es tut so gut zu wissen, dass an nicht die einzige ist, die vom großen schwarzen Hund verfolgt wird. Aber Gott sei dank kann man es mit viel Mühe schaffen, das Tier an die Leine zu legen und gemeinsam durchs Leben zu gehen. Ich weiß es ist ein schwerer Weg, gepflastert von Rückschlägen wenn man gar nicht damit rechnet – ich kenne das. Aber es macht mir unwahrscheinlich Mut, zu wissen, dass ich nicht die einzige “Psychotante” bin. Und bei allen anderen auch nicht immer alles Friede-Freude-Eierkuchen ist.
    Ich möchte dir ein Buch ans Herz legen, dass mir ganz besonders geholfen hat: “Mängelexemplar”. Wirklich, nur zu empfehlen!

    Kopf hoch, jeder hat mal einen schlechten Tag, aber die guten zählen doppelt. ;-) Und Grüße von ganzem Herzen!
    Lisa

    • 2.1
      anja says:

      schlechte tage hatte ich nun genug… und für die kommenden bin ich gerüstet. aber gegen gute tage habe ich wirklich absolut nichts einzuwenden. danke, lisa! sei nett gegrüßt! anja

  19. 1
    Nike says:

    Ach Anja, gut dass Du das geschrieben & veröffentlicht hast! Ich mag Dich einfach und wenn ich online Zeug von Dir sehe frag ich mich oft wie’s Dir wohl grade so geht. Seltsam, ne, aber vielleicht weil ich den Absprung damals grade noch so haarscharf geschafft habe…?
    Pass weiter auf Dich auf!!!
    lg
    Nike

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